Ist Schreiben brotlos?

Seit Jahrhunderten sind sie die Verlierer, wenn es um Gewinn und Kapital geht, die Schriftsteller. Entweder Zeit ihres Lebens unerkannt, in einem brotlosen Beruf gefangen, der Ortslehrer, der nebenher Theaterstücke schreibt. Oder aber veröffentlicht und trotzdem schlecht bezahlt. Oder zu Lebzeiten nicht beachtet und nach dem Tod hoch gelobt und gut verkauft.  All das macht Schriftsteller, Dichter, Literaten, Autoren zu den gemeinhin als Verlierer betrachteten Gestalten. Die, die sich selbst verwirklichen und daran leider verarmen.

Warum ist das so? Nun, in Zeiten, in denen Bücher nicht auflagenstark in Einkaufszentren und Onlinehandlungen zum Verkauf angeboten wurden, waren Schriftsteller tatsächlich von Mentoren abhängig, die sie finanzierten. Bücher verkaufen und kaufen, das funktioniert ja frühestens seit dem Buchdruck, denn vorher waren Schriftstücke unbezahlbar.  Und heute? Heute gibt es einige verschiedene Weg, zu veröffentlichen. Die Schwierigkeiten dabei sind:

  1. Der Buchhandel schlägt 40% auf den Nettoverkaufspreis. Sprich, dem Verlag, wenn man bei einem Verlag ist, bleiben 60% und das sind bei einem Buchverkaufspreis von 20 Euro 12 Euro, um das Buch zu lektorieren, zu layouten, dem Buchhandel anzupreisen und zu vermarkten. Und natürlich, den Autor zu bezahlen. Für den bleiben dann, wenn er noch kein Bestsellerautor ist, zwischen 9% und 14% vom Nettoverkaufspreis. Wenn man also als Autor einen Verlag gefunden hat, und das ist schon mal gar nicht einfach, dann bekommt man Daumen mal Pi einen Euro pro Buch. Und das für eine Sache, an der man ein, zwei Jahre intensiv gearbeitet hat. Wird es kein Bestseller, was meistens der Fall ist, steigt man dann mit 2000 Euro aus. Wenn es gut gelaufen ist. Kein Wunder also, dass dieser Beruf nicht reich macht.
  2. Versucht man es ohne Verlag, fehlen einem die Kontakte zum Handel und die Marketingressourcen. Als einzelne Person muss man ziemlich viel können, um ein Buch selbst herauszugeben. Angefangen beim Layout, bei der Wahl einer guten und finanzierbaren Druckerei, bei den verschiedenen verwaltungtechnischen Dingen wie dem Eintrag in das Verzeichnis lieferbarer Bücher bis hin zur Preiskalkulation, dem Einstellen bei amazon (ohne geht leider nicht, sorry) und der Vermarktung ist da einiges zu tun. Hier braucht es dann ein kleines Wunder, um wirklich gut zu verkaufen.
  3. Man kann es natürlich auch als E-Book only versuchen und den Druck aussparen. Layouten muss man trotzdem und für ein E-Book bezahlen die Menschen weniger als für ein gedrucktes Buch.

Dann gibt es natürlich auch Autoren, die einen Brotberuf haben und nebenher schreiben, weil all das sich einfach nicht rechnet. Oder jene, die vom Schreiben leben, aber damit sie das tun können, auch Auftragsarbeiten annehmen oder besser gesagt, von den Auftragsarbeiten leben und die Bücher in ihrer Freizeit schreiben.

Das alles sind Gründe und Voraussetzungen für das finanziell eher düstere Leben von Autoren. Trotzdem gibt es immer die Chance, den Durchbruch zu schaffen – und dann macht die Auflage den Umsatz und somit auch den Verdienst. Aufgeben sollte man also keinesfalls, wenn man den Beruf Schriftsteller als den Traumberuf gewählt hat!